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Proversicherer - Detlev Burgartz

Detlev L. Burgartz
Experte und Dozent für die
Abwehr und Aufklärung von Versicherungskriminalität

Kontakt


Tel.: 02236-322 17 79

web09@proversicherer.de

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Dienstag, 29.06.2010 10:43

Haftpflichtversicherung wird teurer

In diesem Jahr werden viele Haftpflichtversicherer ihre Prämien anheben müssen. Bereits zum 01.07.2010 rechnen Analysten mit einer Beitragsanpassung um bis zu fünf Prozent. Die Erweiterung des Deckungsumfanges und die immer teurer werdenden Schäden sind die Hauptgründe der Preisanhebung.

Die Aufdeckung des Brillenkartell durch das Bundeskartellamt wird die Haftpflichtversicherer in diesem Jahr noch nicht spürbar entlasten können. Erste Regresse der Versicherer werden nach dem vollständigen Abschluss der Verfahren zu erwarten sein. Der Gesamtschaden durch die Preisabsprachen wird sich ohnehin schwer berechnen lassen, da nicht alle Versicherer das Merkmal "Brillenschaden" in ihren Datenbeständen hinterlegt haben.

Unerwartete Unterstützung bei der Aufklärung dubioser Haftpflichtschäden erhalten die Versicherer aus dem Elektronik- und Fotobereich. Falschangaben zum Schadenhergang können durch Härtetests der Hersteller schneller aufgeklärt werden.

Brillenkartell

Wegen verbotener Preisabsprachen ermittelte das Bundeskartellamt gegen Rodenstock, Zeiss, Essilor, Hoya Lens sowie Rupp+Hubrach die sich seit dem Jahr 2000 im sogenannten „Herrz-Kreis“ zu Preisabsprachen trafen und damit auch die Haftpflichtversicherer schädigten. Diese Hersteller kontrollieren 90 Prozent des Marktes, so dass sich das Bundeskartellamt zu drastischen Maßnahmen entschied und ein Bußgeld von 115 Millionen verhängte. (www.crimereport.de/news/artikel/1049).

Härtetests und Versicherungskriminalität

Entlastung könnte kommen über die technischen Neuerungen im Elektronikmarkt. Härtetests belegen, dass so manche Schadenschilderung zwar reißerisch ist, aber mit den Outdoorfähigkeiten der Geräte nicht in Einklang stehen.

Die Versicherer haben allen Grund so mancher Schadenschilderung zu misstrauen, wenn der Hersteller selbst damit wirbt, dass sein Modell einen Sturz aus 1,2 Metern übersteht oder ins Wasser fällt. Egal, ob im Wasser, bei Kälte, im Schmutz oder beim extremen Falltest zeigen die Prüfungen, dass die Geräte immer mehr aushalten und keinen Schaden nehmen.

Kann der Versicherungsnehmer und Geschädigte das Szenario zwischen Schadenhergang und Schadenbild nicht erklären, dann droht nicht nur eine Ablehnung, sondern die Kündigung des Vertrages und eine Strafanzeige.

Stagnierende Beitragseinnahmen und Schadenaufwand

In der Allgemeinen Haftpflichtversicherung stagnierten die Beitragseinnahmen durch die Wirtschaftskrise, so dass bei weiter steigendem Schadenaufwand (plus 1,5 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro) sich die kombinierte Schadenkostenquote im Vorjahr schon auf 90 Prozent verschlechterte.

Der Schadenaufwand stieg in Folge der starken Frostperiode im Januar und Februar sogar um 6 Prozent auf 3 Milliarden Euro. Zuletzt mussten die Haftpflichtversicherer im Jahr 2004 eine Beitragsanpassung vornehmen. Die Preisanpassungen erreichten bis 10 Prozent. Ein unabhängiger Treuhänder überprüft jedes Jahr das Verhältnis der Schadenaufwendungen zu den erzielten Beitragseinnahmen. Für den 1. Juli wird der Prozentsatz für die Veränderungen zu 2009 bekanntgegeben.