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Proversicherer - Detlev Burgartz

Detlev L. Burgartz
Experte und Dozent für die
Abwehr und Aufklärung von Versicherungskriminalität

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Tel.: 02236-322 17 79

web09@proversicherer.de

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Montag, 28.06.2010 11:59

Internationales Schutzabkommen gegen Produktpiraten

Über das seit 2008 diskutierte Schutzabkommen „ACTA“ (Anti-Piraterie-Abkommen) wird am heutigen Montag in Luzern beraten. Gemeinsam soll der milliardenschwere Verlust aus dem Schwarzmarkt mit den USA, Kanada, Japan, Schweiz, Australien, Neuseeland und einigen Schwellenländern der EU eingedämmt werden.

Die jährlich zunehmende Zahl der an den Außengrenzen beschlagnahmten Waren steigt. Es vergeht keine "Internationale Messe" ohne Einsatz der Zollfahndung. Viele Punkte des Abkommens sind nach wie vor strittig, insbesondere die Anwendung der Methoden zur effizienten Bekämpfung der Produktpiraterie.

Für diese Verhandlungsrunde wird noch kein Abschluss des Abkommens erwartet, zumal der Bundesrat die Regierung im Mai aufgefordert hatte, zu verhindern, das durch das ACTA neues Recht verankert wird.

Im Übrigen müsste das EU-Parlament zustimmen. Kritisch sehen viele Parlamentarier die strafrechtsähnlichen Sanktionen gegen Provider, die als Hilfssheriffs und Erfüllungsgehilfen der Justiz missbraucht werden könnten.

Andererseits ist allen Beteiligten klar, dass es bei der heutigen Zersplitterung der Sicherheitsarchitektur nicht bleiben kann, um Schutzrechte wirksam durchsetzen zu können.

Der Identitätsdiebstahl, die Ausnutzung sozialer Netzwerke und die Pishing-Angriffe zeigen, dass die Täter zunehmend kommerziell unterwegs sind. Neben der Produktfälschung grassiert die Komplettfälschung ganzer Firmenportale im Internet. Die Kunden werden so direkt umgeleitet vom Originalhersteller weg auf die Internetseiten der Nachahmungsprodukte.

Über die Suchmaschinenoptimierung versuchen die Angreifer die Originalhersteller zusätzlich zu schädigen. Mit dem Google-Hacking beeinflussen die Täter die Reihenfolge der Suchergebnisse.

Die Online-Markplätze haben sich längst zu einer kritischen Größe entwickelt und verschärfen das Dunkelfeld der illegalen Aktivitäten.

Nach einer Befragung des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) kamen 2010 nur 15% der Fälle ans Licht durch Reklamationen sowie Sicherheitsmängel. 31 Prozent der Produktfälschungen fielen über das Internet auf.

Mit Kommissar „Zufall“ ist den Produktpiraten und Hehlern von Diebesgut nicht mehr beizukommen, so Robert Eck vom Systemhaus r.o.l.a business solutions GmbH auf dem Key-Seminar 2010 in Kalkar.

Für den Kongress hatten die Spezialisten eine Auswertung vorgenommen zu den im Internet gehandelten Navigationsgeräten. Das Ergebnis war verblüffend. Neben den Markenherstellern, den sogenannten Top-Sellern, hatte sich eine Vielzahl von Anbietern etabliert, deren Angebote und der Umsatz mit funktionsfähiger gebrauchter sowie neuwertiger Ware erstaunlich hoch ist.

Nach der Transformierung der Daten zur graphischen Analyse wurde schnell deutlich, dass die Ware von ständig wechselnden Standorten im Netz angeboten wurde und diese nicht zum Vertrieb des Herstellers gehören.

An dem Einsatz von Standardsoftware zur Analyse von Auktionsplattformen kommen selbst kleine mittelständische Unternehmen nicht mehr vorbei, so Eck. Viele Firmen reagieren leider erst bei einem spürbaren Absatzrückgang. Dann geht es nur noch um Schadenbegrenzung.